Jeder Maler malt sich selbst .... Automimesis

Ginevra_di_Benci

Gaspare Visconti, Poet am Mailänder Hof, hat Leonardo nach Ansicht einiger Experten Automimesis in einem von ihm verfassten Gedicht vorgeworfen. Dabei geht es um die auch von Leonardo erkannte Problemstellung, dass jeder Maler unweigerlich ein Stück seines eigenen Ich's in seine Werke projiziere, also zum Beispiel Selbstähnlichkeiten auch in den dargestellten Figuren erzeuge.

Leonardo selbst wiederum hat in seinen Traktaten mehrfach darauf hingewiesen, dass derartige Selbstnachahmungen zu vermeiden seien. Daraus haben Kunsthistoriker nun die These abgeleitet, dass Leonardo auch eine Abneigung gegen jede Art von Selbstbildnis habe.

"Formerly there was a painter who could draw nothing but a cypress tree,
According to what Horace tells us where he teaches us to understand poetry.
There is one nowadays who has so fixed in his conception the image of himself
that when he wishes to paint someone else he often paints not the subject but himself.
And not only his face, which is beautifully fair according to himself,
but in his supreme art he forms with his brush his manners and his customs."

Diese Zeilen werden als Verspottung Leonardos durch Visconti interpretiert,
der ihm explizit die Selbstnachahmung vorwerfe.

Hat man aber alle Elemente der Dame mit dem Hermelin vor Augen, so wird
aus diesen vorgeblich polemischen Zeilen urplötzlich eine Lobeshymne an
die Arbeit von Leonardo da Vinci. Seine überragende Kunst erlaube dem
Maler nicht nur die Darstellung seines Gesichts in angemessener Weise,
sondern auch die Präsentation seiner Kreativität.



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